Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Rezension
"Consider the Choices"
von Doris Webster und Mary Alden Hopkins
Helen ist eine lebenslustige zwanzigjährige Frau mit glattem honigblondem Haar und großen graugrünen Augen und steht vor der wohl schwersten Entscheidung ihres Lebens. Sie weiß nicht, ob sie den charmanten Jed oder doch lieber Saunder, den Liebling ihrer Eltern, heiraten soll. Dabei ist sie sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt heiraten möchte. Wie so oft ist es die Qual der Wahl und ein klar vorgezeichneter Weg existiert selten.
In meiner Kindheit habe ich öfters sogenannte „interaktive Spielbücher“ gelesen, in denen ich vor die Wahl gestellt wurde, was mein Protagonist gegen diese oder jene Gefahr im Handlungsverlauf unternehmen soll. Allerdings wusste ich nicht, dass es diese Spielbücher bereits 1930 gab. Unter dem Namen „Consider the Choices“ wurde dieses erste Spielbuch nun neu veröffentlicht und ich habe es zusammen mit anderen im PocketBook-Leseclub gelesen.
Dabei fand ich die Auswahlmöglichkeiten der 3 Protagonisten (Helen, Jed, Saunder) sehr modern. So kann sich Helen z.B. auf einem ihrer Wege dafür entscheiden, dass sie weder Jed noch Saunder heiratet, sondern erstmal in New York bei einer Zeitung arbeitet. Zwar läuft es später dann doch irgendwie auf eine weitere Beziehung hinaus, aber allein, dass es diese Möglichkeit schon 1930 gab, fand ich sehr cool.
Am Anfang jedes der drei Kapitel sieht man den Entscheidungsbaum und wie viele Abzweigungen es jeweils gibt. Dadurch fällt es leichter, auch noch die anderen Entscheidungspfade anzuschauen, wenn man mit seiner ersten Wahl unzufrieden war. Allerdings fand ich dieses Zurückblättern gerade auf dem E-Reader etwas umständlich. Ich glaube, in dem Fall ist ein gedrucktes Buch einfach besser.
Nichtsdestotrotz habe ich mehrere Entscheidungen ausprobiert, weil ich es einfach so interessant fand, was die anderen im Leseclub darüber berichtet haben und ich wissen wollte, wie sie dort hingekommen sind. So passieren gerade bei Jed einige krasse Dinge, die ich auf meinem ersten Entscheidungsweg gar nicht erlebt habe.
Zwar war mir nur Helen am Ende wirklich sympathisch gewesen, aber das Buch lohnt sich auf jeden Fall zusammen zu lesen und die verschiedenen Wege der Protagonistinnen zu entdecken.
Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der ein interaktives Spielbuch aus den 1930er Jahren ausprobieren möchte.
Vielen lieben Dank an den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖



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