Das Gesicht des Menschen erkennst du bei Licht, seinen Charakter im Dunkeln.

 Rezension 

"Das schwarze Geheimnis von Maulbronn" 

von Norbert Weimper  

Der elternlose neunjährige Anselm wird von seinen Pflegeeltern an das Kloster Maulbronn abgegeben, da sie keine Verwendung für jemanden haben, der sich nicht für die Arbeit auf dem Hof eignet. Denn Anselm ist ein regelrechter Träumer und versucht, die Welt durch Beobachtung zu verstehen. Als er in das klösterliche Leben eintaucht, merkt er schnell, dass er Schreiber und Illustrator im Skriptorium des Klosters werden will. Doch als das Kloster Maulbronn in wirtschaftliche und geistliche Nöte gerät, muss Bruder Anselm einen gefährlichen Auftrag ausführen, sodass er sich besser niemals gewünscht hätte, ein Mönch zu werden.

Es ist schon ein paar Jahre her, seit ich das Kloster Maulbronn besucht habe, aber ich fand es interessant, ein Buch über einen Ort zu lesen, den ich schon mit eigenen Augen gesehen habe. Dadurch konnte ich mir das Leben des jungen Anselm ein kleines bisschen besser vorstellen, weil ich eine ungefähre Ahnung hatte, wie er untergebracht ist und wohin er im Kloster tagtäglich läuft.

Aber auch ohne diese Kenntnis ist es interessant, mitzuverfolgen, was Bruder Anselm in den darauffolgenden Jahren im Kloster so erlebt. Denn man bekommt einen Einblick in die politischen Gegebenheiten des heutigen Baden-Württembergs um das Jahr 1500. Herzog Ulrich von Württemberg spielt darin eine zentrale Rolle, der auch ohne großes Geschichtswissen vielen Leuten in Baden-Württemberg etwas sagt. Auch mir ist er in Tübingen öfters in Geschichten begegnet, sodass ich es spannend fand, nun auch noch mehr über ihn zu erfahren.

Allerdings war mein eigentliches Highlight jemand anderes. Der „berüchtigte Magier“ Dr. Johann Faust nimmt eine wichtige Rolle in diesem Buch ein und ich habe mich sehr darüber gefreut. Denn was viele nicht wissen, ist, dass Dr. Faust (der für Goethes Faust die Inspirationsquelle war) in Baden-Württemberg gelebt hat. Es gibt auch im Kloster Maulbronn einen „Faustturm“, in dem er seine Experimente durchgeführt hat. So hat er z. B. versucht, Gold herzustellen. Diese Anekdote findet auch in diesem Buch ihren Platz und ich fand es großartig.

Alles in allem wurde ich von diesem Buch gut unterhalten und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der einen Klosterroman sucht, der auf historischen Wahrheiten beruht und tief in die Geschichte des Schwabenlands eintaucht.

Vielen lieben Dank an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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