Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

 Rezension 

"Guten Morgen, schönes Wetter heute" 

von Tanja Kokoska 

Baggerfahrer Garcia liebt seine Arbeit und füllt tagein, tagaus und bei jedem Wetter seinen Löffel, um ihn danach in einen Container zu kippen. Dabei achtet er sehr genau darauf, was sich in seinem Löffel befindet. Er träumt heimlich davon, dass er irgendwann ein menschliches Skelett findet und seine Baustelle dann im Fernsehen zu sehen ist. Viel Zeit bis zur Rente bleibt ihm allerdings nicht mehr. Als er jedoch auf eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg stößt, bleibt die Welt für die Bewohner der Siedlung „Am Kastanienbaum“ stehen.

Ich fand die Ausgangssituation, dass verschiedene Charaktere sich plötzlich in einer Ausnahmesituation befinden und miteinander auskommen müssen, sehr interessant. Immer öfter hört man in letzter Zeit von dem Fund von Fliegerbomben und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was diese Nachricht für viele Menschen bedeuten kann. Zwar sind viele Charaktere in diesem Buch vollkommen überzeichnet, aber dadurch wirken sie auch sehr schrullig und auch irgendwie nahbar. Man hat das Gefühl, dass man mindestens einen von diesen Charakteren aus dem echten Leben kennt.

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Da ist zum einen die alleinerziehende Mutter Ina, die in einem Hotel arbeitet und sich fragt, ob sie Kontakt zum biologischen Vater ihres Sohnes aufnehmen soll. Dann ist da die Familie Arslan, die einst das türkische Lebensmittelgeschäft von Herrn Arslans Eltern übernommen hat. Inzwischen kommen sie jedoch immer wieder ins Grübeln, ob das die richtige Entscheidung war, denn Frau Arslan verspürt einen immer stärkeren Drang, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen. Außerdem lernt man Samy kennen, den Pächter und Koch der Gaststätte „Zum Plaudern“, der ursprünglich aus Sri Lanka stammt und sich in Deutschland zunehmend einsam fühlt. Hinzu kommt Herr Bello, der von allen für seine Schönheit bewundert wird, sich aber danach sehnt, femininere Kleidung zu tragen, und sich aus Angst vor den Reaktionen seines Umfelds nicht traut, diesen Wunsch auszuleben. Schließlich gibt es noch Frau Kaiser, die keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn Roland hat. Um ihrer Einsamkeit zu entkommen, ruft sie regelmäßig Hotels und Restaurants an und fragt, ob ein Roland Kaiser dort reserviert hat.

Ich fand es spannend, all diese Figuren kennenzulernen und zu verfolgen, wie sie mit der Nachricht umgehen, dass sie auf einer Fliegerbombe wohnen, und wie diese Erkenntnis ihr Leben beeinflusst. Vor allem, da alle Geschichten miteinander verwoben sind. Z. B. erkennt Ina als Erste, dass Herr Bello gerne femininere Kleidung tragen möchte, oder ist auch die Person, die von Frau Kaiser nachts an der Hotelrezeption kontaktiert wird. Dadurch entstand für mich das Gefühl einer größeren Gemeinschaft, die es auch schafft, so ein Ereignis wie das mit der Fliegerbombe gemeinsam zu meistern.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der eine herzerwärmende Geschichte über eine Siedlung lesen möchte, die weiß, wann es an der Zeit ist, zusammenzuhalten.  

Vielen lieben Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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