Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.

 Rezension 

"Little Germany: Der Duft der Neuen Welt" 

von Maria Nikolai 

Als das Dienstmädchen Lissi herausfindet, dass sie guter Hoffnung ist, möchte sie die frohe Kunde direkt ihrem Geliebten Isidor mitteilen, doch der ist alles andere als begeistert. Schließlich ist Lissi nur ein gewöhnliches Dienstmädchen und er der Sohn einer bedeutenden Familie in Stuttgart. Dadurch verliert Lissi ihre Stellung und steht nun vor dem Nichts. Julia von Varell dagegen wurde mit falschen Versprechungen in eine arrangierte Ehe gelockt und muss nun die brave Ehefrau an der Seite eines Gutsbesitzers spielen, was sie aber absolut nicht will. Beide Frauen entscheiden sich dafür, aus ihrem alten Leben auszubrechen und einen Neuanfang in Amerika zu wagen.

Nach dem Klappentext wusste ich direkt, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Zwei Frauen, die ihr altes Leben hinter sich lassen, um auf einem anderen Kontinent neu anzufangen, fand ich einfach spannend, da ich mir schon dachte, dass sie wahrscheinlich einige Hürden überwinden müssen, bis sie endlich frei sein können.

Dabei fand ich es schön, dass sich Lissi und Julia relativ früh im Buch treffen und gemeinsam das Schiff besteigen, das ihnen den ersehnten Neuanfang bringen soll. Obwohl sie aus zwei verschiedenen Welten stammen, ist es für sie kein Problem, füreinander einzustehen und die beschwerliche Seefahrt zusammen zu meistern. Auch in Amerika bleiben sie zusammen und beginnen gemeinsam in Little Germany in einer Bäckerei zu arbeiten. Sie teilen sich sogar ein kleines Zimmer und versuchen so nach und nach, in der neuen Welt anzukommen. Ich fand diese Freundschaft der beiden Frauen einfach nur schön und habe sie sehr gerne bei ihrem Abenteuer begleitet.

Allerdings müssen sie auch in Amerika damit klarkommen, dass es nicht viele Freiheiten für Frauen gibt. So müssen sie sich immer wieder vor Männern schützen, die sie mit einem Heiratsantrag „retten“ wollen, oder dürfen sich bei der Bank anhören, dass Frauen keine Kredite bekommen, weil sie nicht vertrauenswürdig sind. Doch Lissi und Julia finden für alles eine Lösung und haben schon bald Freundschaften in Little Germany und Little Italy geschlossen, die ihnen helfen, in der neuen Welt zu bestehen.

Darüber hinaus fand ich es auch interessant, mehr über die „Schwäbischen Brezeln“ zu erfahren und wie Lissi über die Jahre verschiedene Kreationen ausprobiert (am Ende des Buchs gibt es auch die Rezepte dazu, wer sich daran versuchen möchte) und auch mehr über das Unglück der „General Slocum“. Ich wusste gar nicht, dass es ein solches Unglück in Amerika gab und wie viele Menschen auf diesem Dampfschiff zu Tode kamen. Lissi und Julia sind darin auch involviert und gerade zum Ende des Buchs passieren einige tragische Dinge.

Alles in allem hatte ich mit diesem Buch einige schöne Lesestunden und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine Geschichte über zwei Frauen lesen möchte, die aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen, um endlich Freiheit zu erfahren.

Vielen lieben Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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