Was Frauen noch lernen müssen, ist, dass niemand ihnen Macht gibt. Sie müssen sie sich nehmen.

 Rezension 

"Femme Fatale: Die weibliche Macht im Schatten der Geschichte"

 von Samra Kljajic

Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bild von Weiblichkeit von anderen geprägt. Es wurde festgelegt, wie eine Frau zu sein hatte, oft lange, bevor sie überhaupt die Möglichkeit bekam, ihren eigenen Weg zu gehen. Königinnen, Regentinnen, Mätressen und viele andere Frauen am Hof beeinflussten politische Entscheidungen, lenkten Machtverhältnisse und prägten Geschichte. Dennoch wurden sie häufig auf Klischees reduziert, als intrigant, hysterisch oder verführerisch dargestellt oder gleich ganz aus der Geschichtsschreibung verdrängt. Genau hier setzt dieses Buch an: Es holt diese Frauen aus dem Schatten und gibt ihnen den Platz zurück, den sie längst verdient haben.

Dass Frauen über Jahrhunderte hinweg auf einen ihnen zugedachten Platz verwiesen wurden, ist leider nichts Neues. Wer sich gegen diese Erwartungen stellte, musste mit Widerstand rechnen, nicht selten, weil die herrschenden Machtstrukturen, die überwiegend von Männern geprägt waren, kaum Raum für weibliche Selbstbestimmung ließen. Natürlich hat sich seitdem vieles verändert, doch ich habe oft das Gefühl, dass wir noch immer nicht dort angekommen sind, wo wir gerne wären. Von echter Gleichberechtigung sind wir meiner Meinung nach noch ein gutes Stück entfernt. Genau deshalb wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, obwohl ich schon vorher wusste, dass es mich emotional fordern würde.

Das Buch nimmt seine Leser*innen mit durch verschiedene Epochen und beleuchtet die Lebensgeschichten berühmter Frauen, deren Vermächtnis über Jahrhunderte hinweg von Legenden, Vorurteilen oder bewussten Verzerrungen überlagert wurde. Marie Antoinette, Jeanne d’Arc, Madame du Barry, Anne Boleyn, Diane de Poitiers und viele weitere Frauen werden hier nicht als Mythen erzählt, sondern in ihren historischen Kontext eingeordnet. Gerade das hat mich besonders beeindruckt. Viele der Schicksale waren mir zwar in groben Zügen bekannt, doch die Zusammenstellung dieser Geschichten machte noch einmal deutlich, wie systematisch Frauen klein gehalten wurden. Diese Erkenntnis hat mich beim Lesen immer wieder betroffen gemacht.

Besonders überzeugt hat mich die sorgfältige Recherche. Jede Aussage wird mit Quellen belegt, die sich im umfangreichen Quellenverzeichnis am Ende des Buches nachlesen lassen. Das gibt den Ausführungen nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern zeigt auch, wie viel Arbeit und wissenschaftliche Auseinandersetzung hinter diesem Werk steckt.

Dieses Buch ist für mich kein Titel, den man einfach zwischendurch liest. Es fordert Zeit sich auf die Lebensgeschichten dieser Frauen einzulassen. Manche Kapitel haben mich nachdenklich gemacht, andere wütend und genau das macht dieses Buch so wertvoll. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch viele Leser*innen erreicht. Nicht nur, weil die porträtierten Frauen es verdienen, dass ihre Geschichten erzählt werden, sondern auch, weil sie uns vor Augen führen, wie wichtig es ist, historische Narrative immer wieder zu hinterfragen.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die sich für Geschichte interessieren und mehr über die Frauen erfahren möchten, die Macht besaßen, Geschichte mitgestaltet haben und dennoch viel zu lange im Schatten ihrer männlichen Zeitgenossen standen.

Vielen lieben Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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