Ich wünschte, ich könnte dreimal am Tag Instantnudeln essen und trotzdem alle Voraussetzungen für ein gesundes Leben erfüllen.

 Rezension 

"Richtig gutes Essen" 

von Junko Takase 

Nitani hat einen ganz normalen Bürojob und lebt in einem kleinen 1-Zimmer-Appartement, in dem er sich gerne Instantramen macht. Zwar ist das alles andere als gesund, aber er mag es so. Erst als zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, in sein Leben treten, beginnt er darüber nachzudenken, worauf es im Leben wirklich ankommt. Während seine Kollegin Ashikawa eine zurückhaltende Frau ist, die immer das Wohlbefinden anderer im Blick hat, ist seine Kollegin Oshio schon unkonventioneller und nimmt sich selbstbewusst das, was sie will.  

Die Geschichte zwischen Nitani und seinen Arbeitskolleginnen hat mich sehr an den toxischen Spruch eines Mannes erinnert, der meinte, dass es nur zwei Arten von Frauen gibt: die, die sich zum Heiraten eignen, und die, mit denen man ein Abenteuer erleben kann. Denn Nitani ist im Laufe der Geschichte hin- und hergerissen zwischen der angepassten Ashikawa, die immer von allen beschützt werden muss, und Oshio, bei der er so sein kann, wie er will, und mit der er auch seine Leidenschaft teilt.

Dabei entsteht eine relativ toxische Dreieckskonstellation, da Nitani auf der einen Seite Oshio verstehen kann, warum sie Ashikawa nicht ausstehen kann, aber gleichzeitig kann er der zuckersüßen Art von Ashikawa nicht widerstehen. Er sieht in Ashikawa die perfekte Ehefrau, die auch seiner 90-jährigen Großmutter gefallen würde, obwohl er sich auch gleichzeitig von ihr abgestoßen fühlt, weil sie so schwach ist. So mutet niemand in der Abteilung Ashikawa schwierige Arbeit zu und sie kann auch öfters einfach nachmittags nach Hause gehen, wenn sie Kopfschmerzen hat. Dieses Verhalten treibt auch Oshio zur Weißglut und sie hält sich als einzige nicht an die stumme Abrede, Ashikawa nicht so viel zuzumuten.

Ich konnte die Wut von Oshio sehr gut nachvollziehen, weil ich auch ein sehr ehrgeiziger Mensch bin und es hasse, wenn andere, weil sie jammern, eine Sonderbehandlung bekommen, und Ashikawa bekommt von Anfang an eine Sonderbehandlung. Allerdings hat mich auch das passive, opportunistische Verhalten von Nitani aufgeregt. Dadurch, dass das Setting sehr realistisch, fast langweilig ist, gibt es am Ende keine Gewinner oder Verlierer, nur Entscheidungen, die aus menschlichen Impulsen heraus zu Konsequenzen führen.

Die Autorin hat es meisterhaft verstanden, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und zu zeigen, zu welchen Absurditäten so manche Entscheidung führen kann. Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine Geschichte über einen japanischen Büroalltag lesen möchte, inklusive einer toxischen Dreieckskonstellation.

Vielen lieben Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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