Sei das starke Mädchen, von dem alle wussten, dass es auch die schlimmsten Zeiten überstehen würde.
Rezension
"The Empress of Salt and Fortune"
von Nghi Vo
Chih aus der Abtei der Singenden Hügel reist mit ihrem Vogel Nahezu Brillant durch die Lande, immer auf der Suche nach neuen interessanten Geschichten. Als sie ihr Lager am Scharlachsee aufschlagen, machen sie Bekanntschaft mit einer älteren Dienerin, die von allen nur „Kaninchen“ genannt wird. Sie erzählt ihnen von ihrem bewegten Leben als Dienerin der Kaiserin In-yo, die gegen ihren Willen in diesem Teil der Welt leben musste.
Es gibt Bücher, die auf ihre Art mehr als ungewöhnlich sind. Zu diesen Büchern würde ich auch dieses Buch zählen. Am Anfang jedes Kapitels gibt es eine Art Vorhersage in poetischer Form, die sich dann im Laufe des Kapitels zur Realität entwickelt. Allerdings werden viele Geschehnisse nicht explizit benannt, sondern eher umschrieben, sodass man sehr gut darin werden muss, zwischen den Zeilen zu lesen.
So erfährt man sehr schnell aus den Erzählungen des Kaninchens, dass die Kaiserin In-yo eigentlich nie in den Süden ziehen wollte, sondern nur wegen der Heirat mit dem Kaiser dazu gezwungen wurde. Da sie auch nicht wie die südländischen Frauen aussieht, sondern eher eine robustere Statur hat, wird sie von vielen am Hof regelrecht verspottet. In der Folge ist die Kaiserin mehr als einsam, bis sie das Kaninchen dabei erwischt, wie es mit einer anderen Dienerin ein Spiel spielt. Statt die beiden für ihr Nichtstun zu bestrafen, möchte sie mitspielen. Diese Spiele führen dazu, dass die Kaiserin und das Kaninchen sich annähern und für das jeweils andere Leben Verständnis entwickeln. Ich fand es schön, dass die Kaiserin so nicht mehr einsam ist, wenn es auch immer noch Standesunterschiede zwischen den beiden gibt.
Während der Erzählung des Kaninchens hat Chih nach jedem Kapitel die Gelegenheit, Rückfragen an das Kaninchen zu stellen, sodass das Buch immer wieder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hin- und herspringt.
Ich muss tatsächlich sagen, dass ich mich am Anfang etwas schwergetan habe, in die Geschichte hineinzufinden, aber nach einer Zeit fiel es mir leichter, dem poetischen Schreibstil zu folgen. Man muss sich einfach auf die Geschichte einlassen, denn dann entdeckt man die starke Geschichte einer Frau, die fast nichts mehr im Leben hatte und sich trotzdem an die Spitze des Reichs gekämpft hat.
Ich kann jedem diese Geschichte empfehlen, der eine ungewöhnliche, poetische Geschichte lesen möchte, die kraftvoll von einer jungen Kaiserin erzählt.
Vielen lieben Dank an CrossCult für das Rezensionsexemplar! 💖



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