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 Rezension 

"Adelindis: Die toten Äbte" 

von Carmen Mayer 

Das Kloster Bochaugia am Verdersee wird im Jahr 1120 wieder von einer Handvoll Frauen bewohnt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das einstmals stolze Frauenstift wieder zu beleben. Nachdem sie sich, so gut es geht, eingerichtet haben, finden sie eines Abends ein kleines schreiendes Bündel unter einem Holunderbusch. Fortan lebt auch ein kleines Mädchen im Kloster und die Nonnen kümmern sich um dessen Erziehung. Doch über dem friedlichen Leben der Schwestern hängt ein dunkler Schatten, denn um ihre Existenz vor den mächtigen Männern zu rechtfertigen, brauchen sie eine Besitzurkunde für das Kloster, die sie nicht haben.

Ich fand es erfrischend, dass dieser Roman, anders als in anderen Klosterromanen, ein Frauenstift als Handlungsort hat und die Probleme thematisiert, die es mit sich bringt, wenn Frauen in der damaligen Zeit etwas allein aufbauen wollten. So werden die Frauen von Anfang an tief in die politischen Machtspielchen von Fürsten und Äbten hineingezogen, obwohl sie sich eigentlich nur friedlich eine Zuflucht aufbauen wollten. Ich fand es spannend, mehr über die geschichtlichen Zusammenhänge der damaligen Zeit herauszufinden, auch wenn es mich manchmal etwas überfordert hat, wenn sehr viele Daten und Namen gleichzeitig aufgetaucht sind.

Aber der Roman besteht nicht nur aus geschichtlichen Fakten und politischen Ränkespielen, sondern auch aus der Geschichte der jungen Adelindis, die von den Frauen im Kloster aufgezogen wird. Sie wächst als neugieriges Kind auf, lernt lesen und schreiben und begeistert sich von Anfang an für Heilpflanzen und alte Schriftstücke. Ich fand es schön, dass die Frauen ihr diese Freiheiten gelassen haben und sie nicht auf ein Leben außerhalb der Klostermauern vorbereitet haben. Allerdings bringt es ihre Neugierde auch mit sich, dass sie irgendwann wissen möchte, woher sie eigentlich kommt. Die Frauen verbieten es ihr nicht direkt, aber ihre Herkunft bietet einige Überraschungen, was ich sehr interessant fand.

Natürlich trifft Adelindis nicht nur auf Menschen, die es gut mit ihr meinen, sondern sie hat auch im Kloster Feinde. Als sie dann auch noch versucht, einen Mord aufzuklären, wird die Sache immer komplizierter. Zwar hat sie in Bruder Anselm und Abt Ulrich später zwei Menschen gefunden, die sie decken, aber bis dahin muss Adelindis einige Gefahren überstehen.

Alles in allem fand ich das Buch sehr unterhaltsam, auch wenn ich Adelindis manchmal etwas zu gutgläubig fand oder sich auch manche Begebenheiten zu oft wiederholt haben, wie z. B., dass ein Kloster in Brand geraten ist. Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der ein Buch über ein Frauenstift lesen möchte, das einiges unternehmen muss, um in den politischen Machtspielchen der Fürsten nicht unterzugehen.  

Vielen lieben Dank an den Bonifatius Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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