In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe basiert.
Rezension
"Zwei in einem Bild"
von Morgan Pager
Jean sitzt tagaus tagein auf der gleichen Position und beobachtet die vorbeiziehenden Menschen. Er hat sich an dieses Leben gewöhnt, wenn ihn der ständige Wechsel der Menschen, die alle so unterschiedlich und doch irgendwie gleich sind, auch so langsam langweilt, bis er die neue Reinigungskraft Claire erblickt. Er hat das Gefühl, sie sieht ihn direkt an und der Klang ihrer Stimme trifft ihn tief in der Seele. Er wünscht sich, mit ihr kommunizieren zu können, doch ihre Welten sind voneinander getrennt. Auch Claire möchte nichts anderes, als mit Jean zu reden, und wagt den Sprung in sein Bild.
Im Fokus dieses Buches steht der Gedanke, was passiert, wenn man die Möglichkeit hätte, in Bilder eintauchen zu können, verwoben mit dem Gedankenspiel, was wäre, wenn die Menschen in Gemälden ihr Eigenleben hätten. Ich fand diesen Ausgangspunkt sehr spannend, da ich mir auch schon öfter die Frage gestellt habe, wie es wäre, in Bilder eintauchen zu können. Zudem habe ich auch schon einige Gemälde gesehen, die so gewirkt haben, als ob sie ein Eigenleben hätten.
In der Geschichte findet Claire zufällig heraus, dass sie über die Fähigkeit verfügt, in Bilder eintauchen zu können. Dabei ist sie ansonsten alles andere als besonders. Sie versucht, mit Aushilfsjobs über die Runden zu kommen, um ihre Familie zu ernähren, und hat in der Vergangenheit den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen, da sie mit ihrem damaligen Lebensstil nicht klargekommen ist. Selbst der Reinigungsjob im Museum ist ihr aus einer Laune heraus in den Sinn gekommen, weil sie aus ihrer Kindheit schöne Erinnerungen an das Museum hat. Erst das Zusammentreffen mit Jean gibt ihr die Kraft, etwas nur für sich zu tun.
So erkundet sie mit Jean gemeinsam die anderen Bilder, tanzt z. B. auf rauschenden Festen, schließt auf der Rennbahn Wetten ab und wandert mit ihm über sturmumtoste Klippen. Jeden Abend erlebt sie ein anderes Abenteuer und verliebt sich immer mehr in den ruhigen Jean. Allerdings ist ihre Zeit mehr als begrenzt, denn Claire muss darauf achten, dass nicht auffällt, dass sie eigentlich gar nicht das Museum sauber macht. Zudem wird in diesem Buch auch die Corona-Pandemie thematisiert und was passiert, wenn ein Museum über mehrere Monate schließen muss. Ich fand die Beziehung zwischen Jean und Claire schön, wenn ich auch das Gefühl hatte, dass Jean mehr in die Beziehung investiert als Claire. Claire hat eigentlich mehr damit zu tun, ihr Leben zu ordnen, und verheimlicht Jean auch viel.
Alles in allem hatte ich aber doch ein paar schöne Lesestunden und kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine Frau dabei begleiten möchte, wie sie Nacht für Nacht in Bilder eintaucht und dabei herausfindet, wer sie eigentlich wirklich sein will.
Vielen lieben Dank an Hoffmann und Campe für das Rezensionsexemplar! 💖



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