Das ist das Motto meines Lebens: „Zu wenig!"
Rezension
"Tanz der Illusion: Der Preis der Erkenntnis"
von Beate Müller
Seit ihr Bruder Dymas nach einem schweren Jagdunfall zum Krüppel geworden ist, gehört es zu Dianas Aufgaben für die Familie auf die Jagd zu gehen. Sie ist gut darin Fallen zu stellen, doch als ein riesiger Löwe sich über ihre Beute hermacht, weiß sie nicht mehr, was sie tun soll, und begibt sich in einen Kampf auf Leben und Tod. Zwar gewinnt sie den Kampf, allerdings wird sie von einer der Giftkrallen des Löwen getroffen. Zunächst denkt sie sich nichts dabei, doch der Löwe gibt ihr mit einem seiner letzten Atemzüge zu verstehen, dass sie nur im Fürstentum Adalia ein Gegenmittel finden wird. Ausgerechnet das Reich der Dämonen, das seit langer Zeit kein Mensch mehr betreten hat.
Schon zu Beginn wird klar, dass dieses Buch nichts für Zartbesaitete ist. Dianas Leben ist von einer Melancholie geprägt, die sich schon während der ersten Jagdszene manifestiert, als sie frustriert knurrt: „Das ist das Motto meines Lebens: „Zu wenig!“ Zu wenig von der Mutter, zu wenig Liebe, zu wenig Freude, zu wenig Geld, Kleidung und Essen. Von Respekt und Achtung der Dorfbewohner oder anderer Menschen einmal ganz abgesehen.“ Sie hat Niemanden bei dem sie Rückhalt finden könnte. Der Vater ist seit dem Tod der Mutter unfähig, für die Familie da zu sein, der Bruder schwer verwundet und die beiden jüngeren Schwestern zu klein, um allein für sich zu sorgen. Dadurch muss Diana schon sehr früh Verantwortung für sich und andere übernehmen.
Zudem verwundert es dann auch nicht mit welcher Wut und Grausamkeit sie den Löwen erlegt, als er ihre Beute an sich reißen will. Gerade auch, wenn man später erfährt, was es mit dem Löwen auf sich hat, wirkt die Szene noch brutaler als ohnehin schon. Es stellt sich vor allem die Frage, ob man bei einer solchen Tat generell im Recht ist, so zu handeln, denn es gibt immer zwei Seiten der Medaille.
Auch im Hinblick auf die verschiedenen Reiche. Die Menschen meiden schon seit langer Zeit das Fürstentum Adalia, obwohl es sich direkt hinter einem Gebirge befindet, und reden sich ein, dass dort Dämonen hausen. Demgegenüber verstehen die „Dämonen“ nicht, warum die Menschen den Kontakt abgebrochen haben und sich so feindlich ihnen gegenüber verhalten. Diana soll quasi die Vermittlerin in diesem Konflikt bilden, weil sie die Aufgabe bekommt, ins Fürstentum Adalia zu reisen. Ich fand diese Ausgangssituation ziemlich spannend, vor allem weil mir Diana aufgrund einiger Aktionen nicht so sympathisch war, aber dieses Thema von „moralisch fragwürdigen Charakteren“ spielt eine große Rolle in diesem Buch.
Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine junge Jägerin dabei begleiten möchte, wie sie zwei verfeindete Reiche versucht, wieder miteinander zu vereinen.



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