Ein einziger Schrei – die Stadt ist versunken, Und Hunderttausende sind ertrunken.
Rezension
"Rungholt"
von Ann-Kathrin Wasle
Seitdem Janna die Geschichte der versunkenen Stadt Rungholt gehört hat, lässt sie die Legende nicht mehr los. Allzu lebendig hatte sie die schaurigen Bilder vor sich sehen können: die Glocken, die immer noch aus den Tiefen der Nordsee heraufklangen; all die verlorenen Seelen, die auf Erlösung warteten. Als sie dann eines Tages die Möglichkeit bekommt, einen Blick in ein Tagebuch zu werfen, das aus Rungholt stammen soll, ist sie Feuer und Flamme selbst, herauszufinden, was damals wirklich mit Rungholt geschehen ist, und lernt die Lebensgeschichte von Lenore kennen.
Rungholt ist ein weiteres Buch, das meine liebsten Genres „historischer Roman“ und „Fantasy“ miteinander verbindet. Bevor ich das Buch gelesen hatte, wusste ich nicht, dass es die Stadt „Rungholt“ wirklich gegeben hat. Eine Recherche meinerseits hat sogar ergeben, dass es lange Zeit keinen materiellen Hinweis aus der Zeit des Ortes vor 1362 gab, der die tatsächliche Existenz Rungholts belegen konnte. Mittlerweile hat man zwar schon alte Ruinen gefunden und weiß, dass es Rungholt gegeben hat, aber allein dieses Wissen, hat für mich die Geschichte von Janna und Lenore noch interessanter gemacht.
Vor allem fand ich es spannend, zu verfolgen, wie die Schicksale der beiden Frauen über die Jahrhunderte hinweg miteinander verwoben sind. Beide müssen einen schweren Schicksalsschlag erleiden, Janna verliert ihren Bruder und Lenore ihren Verlobten Karl. Aber damit nicht genug, denn beide müssen sich in ihrem jeweiligen Leben gegen die Menschen durchsetzen, die ihr Leben anders für sie geplant haben. So muss Lenore erdulden, dass ihr Cousin Thorstein über sie bestimmt, da er rechtlich gesehen ihr Vormund ist, und Janna wird von ihren Eltern gezwungen, die Hoffnung aufzugeben, dass ihr Bruder wieder zurückkehrt. Ich fand es schön, dass beide Frauen sich nicht unterkriegen lassen, sondern weiterkämpfen.
Dadurch knüpft Janna auch Kontakt zu Sigal, einer alten Frau, die in einem Wohnwagen außerhalb des Dorfes wohnt. Denn in Sigals Besitz befindet sich das Tagebuch von Lenore und nur Sigal kann die alte Schrift lesen. Zwar ist Sigal alles andere als begeistert, dass Janna nun in ihrem Leben ist, und manchmal ist sie auch regelrecht fies zu Janna, doch über kurz oder lang raufen sich die beiden zusammen. Bis zum Schluss fand ich es spannend, herauszufinden, wer denn nun Sigal in Wahrheit ist, denn sie scheint eine tiefe Verbindung zu Lenore zu haben.
Alles in allem habe ich das Buch sehr gerne gelesen und kann jedem das Buch empfehlen, der mehr über die versunkene Stadt Rungholt lesen möchte, die mit mystischen Elementen und zwei starken Frauen aufgepeppt wurde.
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