Macht und Gewalt sind Gegensätze: wo die eine absolut herrscht, ist die andere nicht vorhanden.

 Rezension 

"Navola: Das Erwachen des Drachen"

 von Paolo Bacigalupi

Davico di Regulai ist der Sohn des mächtigsten Mannes von Navola. Seit seinem Urgroßvater herrschen die di Regulai als Archinomi über die Stadt. Mit List, Gewalt und ihrem unerschöpflichen Vermögen haben die di Regulai sich eine Stellung erarbeitet, die niemand so schnell auslöschen kann. Doch die Gegner sind zahlreich und Davico muss in den Jahren zahlreiche Intrigen gegen seine Familie überleben. Ohne es zu wollen, wird er dabei immer tiefer in das komplizierte Spiel der navolanischen Diplomatie gezogen.

Es passiert mir selten, dass mich eine Geschichte nicht mehr loslässt und ich bis spät in die Nacht lese. „Navola“ war ein solches Buch und es dauerte eine ganze Woche, bis ich die Geschichte endlich beenden und wieder in einen normalen Schlafrhythmus finden konnte. Ich war einfach fasziniert von der Welt, den politischen Ränkespielen und den Gefahren, in die sich die einzelnen Charaktere begeben haben, um ihre Macht zu festigen.

Dabei fand ich das Beste an der Geschichte, dass sie aus der Sicht eines unschuldigen Kindes erzählt wird. Davico spielt öfters im Arbeitszimmer seines Vaters und kriegt dadurch mit, wie sein Vater Navola regiert. Zwar sagen ihm die Gespräche, die sein Vater mit den Bittstellern aus anderen Ländern führt, nichts, aber der Leser bekommt einiges über die politische Lage von Navola mit. Am Anfang mag das noch verwirrend sein, weil die Ränkespiele in Navola sehr komplex sind, allerdings hatte ich irgendwann keine Probleme mehr damit und habe regelrecht mitgefiebert, welchen eleganten Zug Davicos Vater nun wieder ausführt, um seine Gegner auf Abstand zu halten.

In den späteren Jahren wird Davico auch immer wieder von seinem Vater zu Gesprächen explizit hinzugeladen, damit die Leute sehen, dass Davico bald der Nachfolger seines Vaters werden wird. Allerdings merkt man als Leser immer stärker, dass Davico eine regelrechte Abneigung gegen die Machenschaften seines Vaters entwickelt hat. Er möchte in keine Intrigen mehr verwickelt werden und zieht sich immer öfter in den Stall zu den Tieren zurück, da die Tiere keine Hintergedanken haben. Allerdings bedeutet das auch gleichzeitig den Zerfall der di Regulai, weil die Gegner seines Vaters eine Schwäche wittern. Ich fand es unfassbar spannend, den Zwiespalt von Davico mitzuverfolgen und wie die Geschichte für ihn enden wird.

Gerade zum Ende hin wird das Buch sehr brutal und ich konnte es nicht fassen, was Davico passiert, aber es ist auch gleichzeitig so gut, weil es von der Erzählung her im Hinblick auf den roten Faden mehr als Sinn macht.

Alles in allem ist dieses Buch ein Jahreshighlight für mich und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine komplexe Geschichte über politische Ränkespiele und Intrigen lesen möchte und welche Auswirkungen sie auf Menschen haben, die einfach nur friedlich leben wollen.

Vielen lieben Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖 

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