Für jedes Paar gebundener Füße ein Eimer voller Tränen.

 Rezension 

"Tamarisken in der Wüste: Eine chinesische Familiensaga" 

von Shi Mei 

Orchidee ist ein aufgewecktes Kind und liebt es, draußen in der Natur zu laufen. Doch im Alter von 6 Jahren werden ihr die Fußknochen gebrochen, weil es in der Gesellschaft so üblich ist, um später einen reichen Ehemann zu finden. Fortan besteht ihr Leben daraus, zu lernen, möglichst damenhaft mit gebrochenen Füßen zu gehen und eine gute Ehefrau zu sein. Dadurch gelingt es ihr auch, einen wohlhabenden Großgrundbesitzer zu heiraten, doch die Machtübernahme von Mao Zedongs zeigt, dass Reichtum allein einen niemals glücklich macht.

Schon zuvor war mir der Begriff „Lotusfüße“ geläufig und ich wusste auch, dass es im damaligen China ein Schönheitsideal war. Doch welche Ausmaße das Ganze für die damalige Gesellschaft hatte, vor allem für die vielen jungen Mädchen, deren Leben sich dadurch von heute auf morgen komplett verändert hat, wusste ich nicht. Allein davon zu lesen, wie die Praxis des „Füßebindens“ vollzogen wurde, bereitete mir eine Gänsehaut.

Zwar gab es schon damals Stimmen gegen diese Praxis, die in diesem Buch durch Orchidees Vater repräsentiert wird, aber selbst er kann sich nicht gegen die Gesellschaft auflehnen. Denn seine Frau liegt ihm immer wieder in den Ohren, dass er doch nicht verantworten kann, dass seine Tochter später gezwungen wird, auf dem Feld zu arbeiten, weil sie keine gebundenen Füße hat. So muss er mitansehen, wie auch seine Tochter Lotusfüße bekommt und ihr Charakter sich komplett verändert.

Mir tat Orchidee sehr leid, denn ihr Leben ist in den folgenden Jahren von Verlust und Trauer gezeichnet. Zwar schafft sie es, einen reichen Großgrundbesitzer zu heiraten, doch diese Ehe steht unter keinem guten Stern. Nach der Machtübernahme von Mao Zedong verliert die Familie ihren kompletten Besitz und ihre ehemaligen Untergebenen behandeln sie wie das Letzte. Orchidee kämpft mutig weiter und lässt sich davon nicht unterkriegen. Schließlich hat sie eine Familie zu versorgen, doch ihr Mann kommt damit nicht zurecht und lässt sie im Stich.

Ich bewunderte Orchidee regelrecht für ihre Stärke, die Familie zusammenzuhalten, auch wenn es auch für sie nicht leicht war. Zwar ist dies nur eine Geschichte von vielen, aber ich denke, so wie Orchidee gab es viele starke Frauen zu dieser Zeit. Ansonsten wäre die Welt wahrscheinlich schon längst ausgestorben.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der eine intensive Geschichte über die Zeit des „Füßebindens“ lesen möchte, in deren Zentrum eine starke Frau steht, die für ihre Familie bis zum Schluss weiterkämpft.

 

Vielen lieben Dank an den Drachenhausverlag für das Rezensionsexemplar! 💗

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