Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

 Rezension 

"Tokyo: Schwarzer Sommer" 

von Tokuro Nukui

Ein Mann läuft ziellos durch die Straßen von Tokyo und trotz Hitze fährt ein eisiger Wind durch das Loch in seiner Brust. Er ist unruhig, weil das Gewicht der inneren Leere unerträglich auf ihm lastet. In dieser Stimmung trifft er auf die Religionsgemeinschaft des weißen Lichts, die ihm verspricht, dass er bei ihnen Heilung für seinen Schmerz findet. Da er nichts zu verlieren hat, schließt er sich ihnen an. Doch niemand hätte gedacht, zu welchen Taten dieser Mann fähig ist.

Da ich sehr gerne Bücher aus dem asiatischen Raum lese und mir dieses Jahr die Challenge vorgenommen habe, mehr Thriller und Krimis zu lesen, hat mich dieses Buch direkt angesprochen. Ich habe noch nie etwas von Tokuro Nukui gehört, obwohl er ein japanischer Bestsellerautor ist. Aber da es sich bei diesem Buch um sein Debüt handelt, dachte ich, dass es ein guter Einstieg in seine Geschichten ist.

Dieses Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einmal aus Sicht des Kommissars Saeki, der mit seinem Kollegen Okamoto die Mordfälle an den verschwundenen Mädchen untersuchen muss, und aus der Perspektive eines zunächst unbekannten Mannes, der einen Weg aus seiner Verzweiflung sucht und dabei an eine Religionsgemeinschaft gerät. Zwar konnte ich mir am Anfang schon denken, warum der Autor genau diese zwei Perspektiven wählt und was dieser Mann tun wird, allerdings hätte ich nie gedacht, um wen es sich dabei handelt. Es ist auf jeden Fall ein spannender Plottwist und ich musste nach dem Ende nochmal nachlesen, ob ich das Ende wirklich richtig verstanden habe. Ich mag solche Bücher, die mit ihrem Ende noch überraschen können.

Allerdings muss man sich bis zum Ende auf einen sehr langsamen Erzählstil einlassen können. Es geht weniger um eine actionreiche Ermittlungsjagd, die man in manchen TV-Serien erlebt, sondern um das langsame Kennenlernen der verschiedenen Charaktere im Buch. So hat jeder der Charaktere seine eigenen Sorgen und Nöte. z. B. hat sich Kommissar Saeki von seiner Frau und seiner Tochter komplett entfremdet und lebt von ihnen getrennt in einem eigenen Appartement. Manchmal kriegt er Besuch von einer Journalistin, mit der er ein Verhältnis hat, aber ansonsten wirkt sein Leben sehr trist und einsam. Natürlich führt das auch ungewollt zu Spannungen in seinem Arbeitsalltag, denn ausgerechnet sein Vorgesetzter ist auch gleichzeitig sein Schwiegervater. Wer solche langsam erzählten Geschichten nicht mag, wird mit diesem Buch eher weniger seine Freude haben.

Alles in allem hat mich die Geschichte und vor allem der Plottwist gut unterhalten und ich kann jedem das Buch empfehlen, der psychologisch tiefgründige Bücher mag und kein Problem mit einem langsamen Erzählstil hat.

Vielen lieben Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar! 💖 

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