Eine Vision ohne Taten ist nur ein Traum. Taten ohne Vision sind ein Albtraum.

 Rezension 

"Wave: Ein Zitadellenstadt-Roman" 

von Jan C. Koch 

Manchmal hat man einfach keinen guten Tag. Einen solchen Tag erlebt Wave, als sie ausgerechnet ihren Lieblingsradiomoderator inklusive Schreibtisch mit ihrem Schweber überfährt. Dabei platzt auch ihr Trommelfell, sodass sie auf ein Hörgerät zurückgreifen muss, bis ihr Körper sich selbstständig regeneriert hat. Als sie das Hörgerät einschaltet, hört sie auf einmal die Stimme ihres Lieblingsmoderators und sie merkt schnell, dass mehr hinter seinem Tod steckt als ein tragischer Unfall.

Von Anfang an mochte ich Waves unnachgiebige Art. Statt lange über Dinge nachzudenken, wird sie direkt aktiv und versucht, herauszufinden, warum ihr Lieblingsmoderator gestorben ist und vor allem, warum er ausgerechnet zu ihr spricht. Sie geht sogar so weit, dass sie sich auf zwielichtige Leute einlässt, um mehr über den Vorfall herauszufinden.

Dadurch macht sie sich nicht nur Freunde, sondern gerät ziemlich schnell auf die Fahndungsliste des Sicherheitskorps von Sergeant Auguste Lambert. Er erwischt Wave auf einem ihrer Erkundungstrips und zieht natürlich direkt die falschen Schlüsse, wie sie in die Sache verwickelt ist. Zwar schließen sie sich kurzzeitig zusammen, als sie merken, dass sie das gleiche Ziel verfolgen, aber Wave kann sich eigentlich nur auf sich selbst verlassen. Und eben auf ihren Lieblingsmoderator Aki, der ihr versucht, mit Rat zur Seite zu stehen. Allerdings versteht er auch nicht so ganz, was aus ihm geworden ist.

So entstehen interessante Fragestellungen, wie z. B. „Was ist Leben?“, „Was ist ein lebenswertes Leben?“ und „Können Maschinen auch leben?“. Zudem hört Wave immer mal wieder, dass Roboter Aufstände veranstalten, weil sie sich nicht angemessen behandelt fühlen. Diese Konflikte spielen zwar nur am Rande eine Rolle, aber ich fand es trotzdem interessant, darüber zu lesen.

Darüber hinaus fand ich auch die Welt, in der Wave lebt, spannend. Wave lebt in einer Zitadellenstadt, die um einen gigantischen Turm entstanden ist. Dort kämpfen Konzerne, kriminelle Familienclans und das Sicherheitskorps um die Vorherrschaft. Ich mag solche Cyberpunk-Settings und hoffe, dass sich bald wieder die Gelegenheit ergibt, in diese Welt einzutauchen.

Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine Geschichte über eine Frau lesen möchte, die alles daran setzt, herauszufinden, wer ihren Lieblingsmoderator Aki auf dem Gewissen hat.

Kommentare