In den Tiefen des Winters erfuhr ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt.

 Rezension 

"Der Weg des ewigen Winters" 

von Niilo Sevänen

Orpheus ist ein Trunkenbold und Glücksspieler und verdient sein Geld als Spielmann. Als er wieder auf einer Hochzeit sein Können unter Beweis stellt, wird er von seiner jüngeren Schwester Xenia unterbrochen, die ihm ängstlich mitteilt, dass sie und ihre Tochter Halla von Mordgesellen verfolgt werden. Kurz danach wird sie auch schon von einem dieser Gesellen getötet, sodass Orpheus nur noch mit Halla fliehen kann, ohne zu wissen, wessen Tochter sie eigentlich ist.

Als ich den Klappentext gelesen habe, fand ich an diesem Buch so faszinierend, dass Fantasyelemente mit historischen Fakten des Mittelalters in Europa kombiniert worden sind. Die Handlung spielt in Konstantinopel im Jahr 1007 und thematisiert deswegen auch verschiedene reale Geschehnisse, die zu dieser Zeit passiert sind. Ganz zentral ist dabei die Kirchenspaltung der katholischen Kirche zwischen Rom und Konstantinopel und die Konflikte, die zwei Päpste mit sich bringen. Aber auch andere Konflikte wie der Krieg gegen Irland werden thematisiert. Allerdings artet das Buch nicht in einen Geschichtsunterricht aus, sondern greift diese Konflikte immer nebenbei in Gesprächen auf.

Im Mittelpunkt steht eher die Flucht von Orpheus und Halla vor diversen Parteien, die alle ein Interesse daran haben, Halla in die Finger zu bekommen. Dabei hat Orpheus zunächst überhaupt keine Lust, sich für Halla verantwortlich zu fühlen, und gibt sie in einem Waisenhaus ab. Doch schon nach kurzer Zeit überkommen ihn Gewissensbisse und er kann sie doch nicht im Stich lassen. Diese Meinung ändert er noch öfters im Laufe der Geschichte, da er einfach kein Charakter ist, der gerne Verantwortung übernimmt. Aus diesem Grund hatte ich auch so einige Probleme mit ihm. Mir war Orpheus zu keiner Zeit wirklich sympathisch, da er ein sehr egoistischer Charakter ist.

Im Gegensatz dazu fand ich die Söldnerin Skadi, den sprechenden Fuchs Reineke und Halla zusammen sehr sympathisch. Sie verstehen, was auf dem Spiel steht, und gleichzeitig versuchen sie, Halla nicht zu beunruhigen. Etwas, was Orpheus absolut nicht verstehen kann.

Darüber hinaus hatte ich leichte „Das Lied von Feuer und Eis“-Vibes, als es oftmals hieß „Der Winter naht“. Natürlich haben die beiden Geschichten nichts miteinander zu tun und das Buch heißt ja auch „Der Weg des ewigen Winters“, aber ich konnte das Gefühl doch nicht gänzlich ablegen.

Zudem hätte das Buch für meinen Geschmack doch etwas mehr Action enthalten können, da es sich gerade zum Mittelteil hin etwas zieht, bis die Gruppe einen Plan hat, wie es mit Halla weitergehen soll.

Dennoch kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der eine epische Geschichte über ein junges Mädchen lesen möchte, das wegen seiner Kräfte von allen gejagt wird.

Vielen lieben Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar! 💖 

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