Rache ist eine Handlung, die man begehen möchte, wenn und weil man machtlos ist.
Rezension
"Empire of Whispers and Shadows"
von Ursa Jaumann
Saya hat sich fest vorgenommen, die 7 Abschlussprüfungen zu bestehen, um eine Assassinin und Spionin im Dienst des Gottkaisers zu werden. Danach will sie jeden auf ihrer Todesliste für das Unrecht, das ihr und ihrer Familie widerfahren ist, auslöschen. Ganz oben auf ihrer Liste steht Teno, der Bastardsohn aus Haus Kotara, der damals ihre Familie verraten hat, weil sie den alten Göttern gehuldigt hat. Doch als die Partner für die kommenden Prüfungen festgelegt werden, wird sie ausgerechnet mit Teno in ein Team gesteckt. Fortan muss sie es schaffen, ihre Wut zu bändigen und ihr höheres Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Ich habe mich im Vorfeld schon sehr auf das Buch gefreut, weil es mit „japanischer Fantasy“ betitelt worden ist und auch die Autorin selbst meinte, dass es das Buch für Animefans ist. Da ich mich auch als solchen sehen würde, war ich schon sehr gespannt auf die Geschichte.
Im Zentrum der Handlung steht Saya, die nach Rache sinnt, weil ihrer Familie ein großes Unrecht widerfahren ist, und am Anfang ist es auch noch sehr spannend, Saya dabei zu begleiten, wie sie ihren Weg im Haus des Flüsterns und der Schatten geht. Allerdings, sobald Saya auf Teno trifft und mit ihm in der Stadt Mingoku verschiedene Prüfungen bestehen muss, gerät die Handlung etwas ins Stocken. Zwar ist es köstlich, die Dialoge zwischen Saya und Teno zu verfolgen, die sich absolut nichts schenken und sich mit Kosenamen wie „Gossenratte“ ansprechen, aber von den eigentlichen Prüfungen erlebt man lange Zeit nichts.
Wer das Buch wegen der tödlichen Prüfungen und dem Actionpart in die engere Auswahl gezogen hat, wird an dieser Stelle enttäuscht sein, denn es geht vielmehr um die Gefühlswelt von Saya und Teno. Immer wieder wechselt die Perspektive zwischen den beiden und man merkt, dass sie beiden einander verfallen sind, aber es nicht zugeben wollen. So denken sie vielmehr daran, wie es ist, den anderen zu küssen, als an ihre Prüfungen. Das ist auch eine Zeit lang interessant, aber ab der Mitte war mir da einfach zu wenig Handlung. Zwar erfährt man später, warum sie sich so schwer mit den Prüfungen getan haben, aber bis dahin muss man auch erstmal lesen.
Zudem fand ich es etwas merkwürdig, dass Saya im Laufe der Handlung immer unsicherer wird. Am Anfang ist sie noch taff und verfolgt ihren Plan, aber danach hat sie immer mehr Probleme, Menschen umzubringen, friert in ihren Handlungen ein und macht es Teno noch schwerer, der Partner an ihrer Seite zu sein, weil sie nie mit ihm redet, sondern meistens trotzig wegrennt. Natürlich kann man verstehen, dass Saya damit wahrscheinlich „nahbarer“ wirken soll, aber bei mir hat es eigentlich eher die gegenteilige Wirkung ausgelöst und ich war von ihrem Verhalten irgendwann nur noch genervt.
Das Ende ist wieder spannend, sodass ich wahrscheinlich auch den zweiten Band lesen werde, und ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der eine Geschichte über eine junge Frau lesen möchte, die eine Assassinin werden will, um ihre Familie zu rächen.
Vielen lieben Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar! 💖



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