Jeder Mensch, den du triffst, kämpft einen Kampf, den du nicht siehst.

 Rezension 

"Shōgun" 

von James Clavell

Der Navigator des Handelsschiffes „Erasmus“, John Blackthorne, schafft es, mit seiner Mannschaft von Rotterdam über die Magellanstraße nach Japan zu reisen. Damit gelingt ihm etwas, das im Jahre 1600 nur wenigen Menschen gelungen ist. Doch die Freude, es ohne große Verluste nach Japan geschafft zu haben, muss bald der Ernüchterung weichen, dass sie mitten in einen Machtkampf der japanischen Fürsten hineingeraten sind, der das Land spaltet. Schon bald tritt Blackthorne in den Dienst des Fürsten Toranaga und muss am eigenen Leib erfahren, wie sehr sich die japanische Kultur von der europäischen unterscheidet.

Nachdem ich begonnen habe, die Serie „Shogun“ auf Disney+ zu schauen, wollte ich auch unbedingt die Buchvorlage lesen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass dieses Buch 1280 Seiten umfasst und war deswegen zunächst einmal überfordert mit der schieren Seitenanzahl, denn allein das Buch beim Lesen zu halten, war schon eine Aufgabe für sich. Doch ich ließ mich davon nicht unterkriegen und tauchte nach einiger Zeit vollkommen in die Welt von „Shogun“ ein.

Mir persönlich hat es sehr viel gebracht, die Serie parallel zum Buch zu sehen, denn so blieb ich kontinuierlich am Ball. Darüber hinaus hat es mir auch Spaß bereitet, die Unterschiede zwischen Serie und Buch herauszufinden. So fiel mir z.B. schnell auf, dass der Toranaga in der Serie anders dargestellt wurde als im Buch. In der Serie wirkt Toranaga immer sehr herrschaftlich und emotionslos, aber im Buch bekommt er noch andere Wesenszüge, z.B., dass er gerne mal mitten in Gesprächen furzt oder seine Blase an ungewöhnlichen Stellen entleert. An dieser Stelle könnte man jetzt wild spekulieren, dass Disney+ z.B. solche derben Wesenszüge nicht in seiner Serie haben wollte, aber ich fand es auf jeden Fall interessant, noch einen anderen Toranaga kennenzulernen.

Ebenso fand ich es gut, dass Droemer Knaur den Originaltext von 1975 in der Neuausgabe so gelassen und nur an die moderne Rechtschreibung angepasst hat. Unangenehm aufgefallen ist mir nur, dass John Blackthorne im Buch andauernd als „Pilot des Schiffs“ bezeichnet wurde. In der Serie wird er richtigerweise als „Navigator“ bezeichnet. Ich weiß nicht, ob es in den 70er Jahren diesen Begriff noch nicht gab oder ob der damalige Übersetzer schon einen falschen Begriff benutzt hat und diesen Fehler nun auch mit in die Neuausgabe getragen wurde. Vielleicht hätte man diesen Begriff noch ändern können, aber wirklich schlimm ist es auch nicht.

Alles in allem hat mir „Shogun“ sehr gut gefallen, wenn ich mich am Anfang auch etwas durchkämpfen musste und erst nach dem ersten Drittel so wirklich mitfiebern konnte. Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der noch tiefer in die Welt von „Shogun“ eintauchen und manche Charaktere aus der Serie von einer anderen Seite kennenlernen möchte. 

Vielen lieben Dank an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar! 💖

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