Widerstand ist nicht laut. Er lebt in der stillen Kraft des Einzelnen, dem eigenen Gewissen treu zu bleiben.

 Rezension 

"Die Buchhandlung der Exilanten" 

von Uwe Neumahr

Die Pariser Buchhändlerin Adrienne Monnier schreibt gemeinsam mit ihrer amerikanischen Partnerin Sylvia Beach in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Kulturgeschichte. 1915 gründete Adrienne Monnier die Buchhandlung „La Maison des Amis des livres“ in der Rue de l’Odéon 12 und weniger später eröffnete Sylvia Beach direkt gegenüber eine amerikanische Buchhandlung „Shakespeare and Company“. Literarische Grenzen konnten innerhalb weniger Augenblicke überwunden werden. Doch obwohl die beiden Frauen etwas geschafft haben, was niemand zu dieser Zeit für möglich gehalten hat, gehen die beiden Weltkriege nicht spurlos an ihnen vorbei.

Die Buchhandlung „Shakespeare and Company“ ist wohl jedem Buchliebhaber ein Begriff und ein beliebtes Reiseziel, wenn man die Gelegenheit hat, in Paris zu sein. Als dieses Buch auf der FBM 2025 vorgestellt wurde, wusste ich schon damals, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Denn ich wollte unbedingt mehr über die Buchhandlung erfahren, die ich so gerne in Paris besuche. Doch schon allein meine Verbindung dieses Buches mit der jetzigen Buchhandlung „Shakespeare and Company“ in Paris hat sich als falsch herausgestellt. Diese Buchhandlung hieß früher „Le Mistral“ und wurde nur in Gedenken an Sylvia Beach später in „Shakespeare and Company“ umbenannt. 

Die ursprüngliche Buchhandlung, um die es auch in diesem Buch geht, ist 10 Minuten davon entfernt, und dort findet man heute nur noch eine Plakette mit einem Hinweis auf diesen berühmten Ort. Ich fand allein diesen kleinen Hinweis schon interessant und war gespannt, was mich im Laufe des Buches noch so erwarten würde Denn dieses Buch erzählt auf Basis von Archivstudien einen Teil deutsch-französischer Geschichte, der in dieser Form noch nie erzählt worden ist. Dabei wird die Geschichte der beiden Frauen abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Der erste Handlungsstrang behandelt den Ersten Weltkrieg und wie sich Adrienne Monnier und Sylvia Beach nach und nach näherkommen, und der zweite Handlungsstrang behandelt den Zweiten Weltkrieg und die damit einhergehenden Bedrohungen für die beiden Frauen. Ich fand diesen Wechsel zunächst etwas verwirrend, da sich Handlungen manchmal überschnitten hatten und ich so schnell den Eindruck gewann, dass ich schon davon gelesen hatte, aber es eigentlich nur vorbereitete Erklärungen für später waren.

Im Laufe der Jahre treffen die beiden berühmte Persönlichkeiten wie die Fotografin Gisèle Freund, den Philosophen Walter Benjamin, den Soziologen Siegfried Kracauer oder den Schriftsteller Arthur Koestler, die alle auf der Flucht vor den Nazis sind. Adrienne wie auch Sylvia versuchen alles, um ihren Freunden und Bekannten zu helfen, aber auch Sylvia ist nicht davor geschützt, selbst von den Nazis verfolgt zu werden. Ich fand es interessant, die verschiedenen Persönlichkeiten vor diesem geschichtlichen Hintergrund neu kennenzulernen, wenn ich auch manche Erklärungen über die einzelnen Personen etwas zu ausufernd fand, denn schließlich wollte ich mehr über Adrienne und Sylvia erfahren.

Die Geschichte der beiden endet leider nicht so glamourös, wie ich gehofft habe, aber ihre Geschichte zu lesen und weiterzutragen, ist so wichtig, denn die Frauen haben etwas geschaffen, was auch heutzutage immer wichtiger wird: Räume zu schaffen, in denen man so sein kann, wie man ist. Ich kann jedem dieses Buch empfehlen, der mehr über die Geschichte der beiden Frauen lesen möchte, die den Grundstein für die Buchhandlung „Shakespeare and Company“ in Paris gelegt haben.

Vielen lieben Dank an C.H.Beck für das Rezensionsexemplar! 💖 

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